Montag, Februar 12, 2007

Südosten

Ja, ich verstehe schon, was sollen Gedichte beim Traeumedeuten?
Aber was gibt es besseres? Stellen sie sich vor, sie träumen, wachen auf und der Traum entschwindet. Es bleibt ein Gefühl von, ja, wovon?

Es bleibt ein Gefühl und dafür sind Gedichte doch hervorragend geeignet. Schreiben sie ein Gedicht, nach dem Aufwachen, wenn der Traum schon dem Alltag weicht, wenn schon keine Zeit mehr bleibt für die Innenschau, wenn der Alltag ungefragt die Führung übernimmt!

Es gibt nichts zu tun!

Nichts!

Außer sich zu erinnern, wer wir sind.

Dazu mein Gedicht:

Die goldene Kette der Ahnen
verliert sich
im Nebel vergangener Jahrhunderte

Ich blicke zurück
in alte und junge Gesichter
Avatars und Brückenbauer
Jesus und Mohammed
und meine Verbündeten

Fordernd ist ihr Ruf
reih dich ein
sei ein Glied in der Kette der Menschen
schwing dich auf
in diesem Leben
finde
deine höchste Möglichkeit

Anknüpfen kannst du jederzeit
an Liebe und Erfahrung

Und doch verfalle ich
in Einsamkeit
hege meine Selbstkonzepte
wie den heiligsten Schatz

Die Angst schnürt mich ein
verhindert jede Bewegung
und so stehe ich starr
vor dem Spiegel meiner Projektionen
liebe sie mehr als mein Leben

Bis die aufsteigende Gewissheit
mir zuschreit
dass
hast du alles selbst gewählt
wählst es jeden Augenblick neu
und meine Hand
zertrümmert den Spiegel
und ich
ergreife
das letzte
Glied
der goldenen Kette.

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